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Künstlerische Forschung – artistic ways of knowledge production

10. – 12. Dezember 2009, Akademie Schloss Solitude

veranstaltet von Prof. Jean-Baptiste Joly und Dr. Martin Tröndle

Künstlerische Forschung versucht Methoden und Prozesse der Werkproduktion auf nicht-künstlerische Bereiche anzuwenden. Sie stellt künstlerisches Wissen und Techniken in neue Kontexte und macht die entsprechenden Kompetenzen für Innovationsprozesse nutzbar. Es ist also kein „Forschen über Kunst“, was in den Zuständigkeitsbereich der Kunstwissenschaften fällt, noch ein „Forschen mit Kunst“, was genuin die künstlerische Produktion charakterisiert.
Das Konzept künstlerische Forschung (artistic research) stößt seit circa dem Jahr 2000 in der Schweiz, England und den skandinavischen Ländern, auf ein wachsendes und je unterschiedliches Interesse: In Anlehnung an die Definition des Österreichischen Kreativwirtschaftsberichtes 2003 „Die Kreativwirtschaft verbindet künstlerisch-kulturelles Wissen und Techniken mit wirtschaftlicher Umsetzung“, wird in diesem Kontext künstlerische Forschung als Grundlagenforschung der Kreativwirtschaft verstanden. Im Bereich der Designforschung betont man insbesondere die Entwurfskompetenz, also die Fähigkeit Neues zu schaffen (Wolfgang Jonas), um diese vor allem im Bereich des Produktdesigns zur Anwendung zu bringen.
Fokus des Symposions hingegen soll das Methoden- und Prozesswissen künstlerischer Forschung sein. Zielt wissenschaftliche Forschung und die Kommunikation deren Ergebnisse auf Intersubjektivität, so stellt die künstlerische Forschung auf die Verkörperung des Wissens ab: Jegliche Symbolverarbeitung findet embodied, das heißt in einer körperlichen Einbettung statt, argumentiert die neueren Kognitionstheorie (Wolfgang Tschacher), die Neurowissenschaften (Luc Ciompi) und die Artificial Intelligence (Rolf Pfeifer). Damit kann das Konzept der künstlerischen Forschung einem prominenten Stellenwert bekommen, denn sie verfügt über, ein sich über mehrere Jahrhunderte evolvierendes Methoden- und Prozessrepertoire, das die Erfahrbarkeit von Wissen in den Mittelpunkt stellt und eine aktive Wissensproduktion verfolgt. Das „Ergebnis“ der künstlerischen Forschung in der Kunst bildet durch die Forschung mit und durch das Material und seinen Kontext einen Repräsentationsmodus, der Symbolisches nicht nur reflexiv (bspw. als wissenschaftlicher Beitrag) sondern im Medium des Materials auch körperlich erfahrbar macht. Um diese Transformationen zu „sinnlichem Sinn“ zu entfalten, bedienen sich Künstler unterschiedlicher Methoden und Prozesse, die im Mittelpunkt des Symposions stehen sollen.
Auf dem Symposion „künstlerische Forschung – artistic ways of knowledge production“ möchten wir daher folgende Fragen thematisieren und diskutieren: Was sind künstlerische Forschungsprozesse? Was unterscheidet sie von wissenschaftlichen Forschungsprozessen? Was sind Methoden der künstlerischen Forschung? Was bedeutet Wissensproduktion? Was sind die Spezifika der Repräsentation künstlerischer Forschungsergebnisse?
Welche Transferoptionen haben Methoden und Prozesse der künstlerischen Forschung in die Wissenschaft und ggf. die Wirtschaft?